Bei dem Vestibulären Schwindel ist es sehr wichtig über die Tiefensensibilität zu arbeiten. Da das Gleichgewichtsorgan nicht funktioniert und meist über das visuelle System ausgeglichen wird, wird somit der schwächere Teil immer schlechter. Mit der vestibulären Rehabilitationstherapie schulen wir mit leichten Übungen, die mehrmals am Tag für kurze Zeit ausgeführt werden, die Information an das Gleichgewichtsorgan. Das gilt vor allem bei chronischem Schwindel. (Auch bei Patienten denen im Auto oder auf dem Schiff übel oder schwindlig wird)
Übungen bei Schwindel und Gleichgewichtsstörungen
Wichtig: Führen Sie alle Übungen nur so weit aus, wie Sie sich sicher fühlen. Ein leichter Schwindel während des Trainings kann normal sein und gehört häufig zum Lernprozess des Gehirns. Brechen Sie die Übung jedoch bei starken Beschwerden oder Unsicherheit ab. Beginnen Sie möglichst im Sitzen oder Liegen und steigern Sie sich langsam.
1. Blickstabilisation
Malen Sie einen schwarzen Punkt auf ein Blatt Papier und befestigen Sie ihn auf Augenhöhe an einer Wand.
- Fixieren Sie den Punkt mit den Augen.
- Bewegen Sie nun den Kopf langsam nach rechts und links.
- Anschließend nach oben und unten.
- Später auch diagonal oder in kreisenden Bewegungen.
Steigerung: Führen Sie die Übung schneller aus oder verlängern Sie die Übungsdauer.
2. Blicktraining im Liegen
Gerade zu Beginn fühlen sich viele Patienten im Liegen sicherer.
- Fixieren Sie einen Punkt an der Zimmerdecke.
- Bewegen Sie den Kopf langsam nach rechts, links, oben und unten.
- Die Augen bleiben währenddessen immer auf dem Punkt.
3. Daumen verfolgen
- Strecken Sie beide Arme nach vorne.
- Fixieren Sie einen Daumen mit den Augen.
- Spreizen Sie den Arm langsam zur Seite und verfolgen Sie den Daumen mit den Augen.
- Der Kopf folgt zunächst der Bewegung.
Steigerung: Der Kopf bewegt sich in die entgegengesetzte Richtung, während die Augen weiterhin den Daumen fixieren.
4. Alltagstraining beim Gehen
Trainieren Sie Situationen, wie sie im Alltag ständig vorkommen.
Während des Gehens:
- nach oben schauen
- nach unten schauen
- über die rechte oder linke Schulter schauen
- plötzlich anhalten
- halbe oder ganze Drehungen durchführen
Ziel ist es, auch bei Kopfbewegungen sicher das Gleichgewicht zu halten.
5. Gangvariationen
Probieren Sie verschiedene Gangformen:
- vorwärts gehen
- rückwärts gehen
- Seitwärtsschritte
- mit offenen oder – nur wenn sicher – geschlossenen Augen
6. Koordination
Im Gehen oder im Stand:
- rechte Hand zum linken Knie
- linke Hand zum rechten Knie
Diese Übung trainiert die Zusammenarbeit beider Gehirnhälften.
7. Gehen auf der Stelle
Gehen Sie auf der Stelle und versuchen Sie, möglichst nicht von Ihrer Position abzuweichen.
Steigerung: Augen schließen (nur mit Sicherung).
8. Hindernisse überwinden
Steigen Sie bewusst über kleine Hindernisse.
Dadurch verbessert sich die Kontrolle über Beine, Gleichgewicht und Blickführung.
9. Ball- und Wurftraining
Beginnen Sie im Sitzen.
- Ball hochwerfen und fangen
- mit einer oder beiden Händen
- verschiedene Wurfhöhen ausprobieren
Später im Stand und mit kleiner werdender Standfläche.
10. Jonglieren
Beginnen Sie mit leichten Seidentüchern.
Später können kleine Bälle verwendet werden.
Diese Übung verbessert Blicksteuerung, Koordination und Reaktionsfähigkeit.
11. Drehtraining
Setzen Sie sich auf einen Drehstuhl.
- langsam nach rechts und links drehen
- mit geöffneten Augen beginnen
- später mit geschlossenen Augen
Steigerung:
- Kopf nach rechts oder links drehen
- Kopf zur Decke oder zum Boden neigen
- Anzahl der Drehungen langsam erhöhen
12. Finger-Nase-Test
- Strecken Sie den Zeigefinger nach vorne.
- Fixieren Sie ihn mit den Augen.
- Führen Sie den Finger langsam zur Nasenspitze.
- Der Blick bleibt immer auf dem Finger.
13. Tandemgang
Laufen Sie auf einer gedachten Linie.
Die Ferse setzt dabei direkt vor die Zehen des anderen Fußes.
Steigerung:
- Kopf nach rechts und links drehen
- nach oben oder unten schauen
- unterschiedliche Untergründe wählen
14. Gewichtsverlagerung
Verlagern Sie Ihr Körpergewicht:
- nach rechts und links
- nach vorne und hinten
- durch leichte Drehbewegungen
Diese Übung kann zunächst im Sitzen und später im Stand durchgeführt werden.
15. Kopfbewegungen
Bewegen Sie ausschließlich den Kopf:
- rechts – links
- oben – unten
- Seitneigung
- Drehbewegungen
Beginnen Sie langsam und steigern Sie das Tempo nach und nach.
Mein Tipp
Das Gehirn lernt durch Wiederholung. Kurze Übungseinheiten von 5–10 Minuten, dafür möglichst täglich, sind oft effektiver als seltene, lange Trainingseinheiten.
Jede kontrollierte Bewegung ist ein Trainingsreiz für Ihr Gleichgewichtssystem. Mit Geduld, Regelmäßigkeit und etwas Mut kann Ihr Gehirn neue Strategien entwickeln und wieder mehr Sicherheit im Alltag gewinnen.