Der Trigeminusnerv – Warum der Kiefer bei Schmerzen eine so wichtige Rolle spielt
Viele Menschen haben den Begriff Trigeminusneuralgie schon einmal gehört. Meist wird er mit sehr starken Gesichtsschmerzen verbunden. Doch der Nervus trigeminus ist weit mehr als nur ein Schmerznerv – für mich gehört er zu den wichtigsten Nerven in der Schmerztherapie.
Der größte Gesichtsnerv
Der Trigeminus entspringt mit seinen Nervenkernen im Hirnstamm und teilt sich anschließend in drei große Äste auf. Daher stammt auch sein Name: Tri = drei.
Er versorgt nahezu den gesamten Kopf mit Gefühl und übernimmt zusätzlich wichtige Aufgaben bei der Kaumuskulatur.
Seine drei Hauptäste sind:
👁️ Nervus ophthalmicus
- Stirn
- Auge
- Augenlider
- Tränendrüse
- Teile der Nase und Nasenschleimhaut
👃 Nervus maxillaris
- Oberkiefer
- Oberkieferzähne
- Kieferhöhle
- Gaumen
- Wange
- Haut zwischen Auge und Oberlippe
🦷 Nervus mandibularis
- Unterkiefer
- Unterkieferzähne
- Kinn
- Bereich vor dem Ohr
Er ist der einzige Ast, der zusätzlich motorische Fasern enthält und damit die Kaumuskulatur steuert.
Warum spielt der Kiefer eine so große Rolle?
Einer der kräftigsten Muskeln unseres Körpers ist der Musculus masseter – unser Kaumuskel.
Viele Menschen pressen bei Stress unbewusst die Zähne zusammen oder knirschen nachts. Dadurch kann sich die Kaumuskulatur dauerhaft verspannen.
Da der Trigeminus in engem Zusammenhang mit dieser Muskulatur steht, können erhöhte Spannungen den Nerv zusätzlich reizen. Dadurch können Schmerzen oder Beschwerden im Gesichtsbereich verstärkt werden.
Der Hirnstamm – eine wichtige Schaltzentrale
Alle Schmerzinformationen aus dem Körper werden über das Nervensystem verarbeitet. Auch der Trigeminus besitzt seine Nervenkerne im Hirnstamm.
Befindet sich dieses System bereits in einem gereizten Zustand – beispielsweise durch dauerhaftes Zähnepressen, Stress oder andere Belastungen –, können weitere Schmerzreize intensiver wahrgenommen werden.
Deshalb gehört für mich die Entspannung der Kaumuskulatur zu einem wichtigen Bestandteil vieler Schmerzbehandlungen.
Der Zusammenhang mit Tinnitus und Schwindel
Im Hirnstamm liegen die Trigeminuskerne in räumlicher Nähe zu Strukturen, die Informationen aus dem Innenohr verarbeiten. Deshalb wird in der Forschung diskutiert, ob bei manchen Menschen Wechselwirkungen zwischen Kieferbeschwerden, Ohrgeräuschen (Tinnitus), Schwindel und dem Trigeminussystem bestehen können.
Nicht jeder Tinnitus oder Schwindel entsteht durch den Kiefer. Bei einigen Patienten kann eine Untersuchung des Kiefergelenks und der Kaumuskulatur jedoch sinnvoll sein.
Was können Sie selbst tun?
- Stress bewusst reduzieren.
- Zähne im Alltag nicht dauerhaft aufeinanderpressen.
- Die Lippen schließen – die Zähne dürfen sich dabei leicht voneinander lösen.
- Die Zunge locker an den Gaumen legen, ohne Druck auszuüben.
- Den Masseter regelmäßig sanft massieren oder lockern.
- Auf eine entspannte Atmung achten.
Bereits kleine Veränderungen können dazu beitragen, die Spannung im Kiefer zu reduzieren.
Mein Ziel ist es, Zusammenhänge sichtbar zu machen. Denn oft liegt die Ursache von Beschwerden nicht dort, wo wir den Schmerz spüren. Wenn wir den Körper als vernetztes System verstehen, eröffnen sich häufig ganz neue Möglichkeiten für Therapie und Selbsthilfe.
