Schwindel

Schwindel ist einer der häufigsten  Gründe eines Arztbesuches.

Unsicherheit, alles schwankt oder dreht sich, Hilflosigkeit, Angst, den Boden unter den Füßen verlieren, Übelkeit, Verlust der Orientierung im Raum. Das sind nur einige Symptome einer Schwindelerkrankung.

Jeder hat schon bei plötzlichen Bewegungen oder einer durchfeierten Nacht einen Schwindel erlebt. Das ist eine normale Wahrnehmung und nicht Besorgnis erregend. Gibt es aber keinen wirklichen Grund, kann es sich um seelische oder körperliche Fehlsteuerungen handeln.

Leider kennen sich immer noch zu wenige Ärzte mit der Schwindeldiagnostik mangels Fortbildungen aus.

Hier ein Link zu deutschlandweiten Schwindelambulanzen/ Therapeutensuche/ Artikeln und Videos

https://ivrt.de/kliniken.html

Ursachen

Eine Störung

-im Gleichgewichtssystem oder der Gleichgewichtswahrnehmung
-Erkrankungen  im Innenohr
-Durchblutungsstörungen im Innenohr oder im Gehirn
-Kreislaufprobleme
-Verscheiß der Halswirbelsäule
-Größenverlust und Haltungsveränderung durch Brüche bei Osteoporose
-Sensibilitätsstörungen etwa durch Polyneuropathie im Rahmen eines Diabetes mellitus
-neurologischen oder endokrinologischen Erkrankungen
-Augenbeschwerden
-seelische Probleme
-Stress
-Nebenwirkung von Medikamenten wie Entwässerungsmitteln (Furosemid), Blutdrucksenkern (Bisoprolol und Ramipril), Mitteln gegen Parkinson (Levodopa), Beruhigungsmitteln (Diazepam und Tetrazepam), sowie Antibiotika aus der Gruppe der Aminoglykoside wie Gentamycin und Tobramycin
-Entzündung des Gleichgewichtsnervs (Neuritis vestibularis)

lassen uns das Gleichgewicht verlieren. Das Gleichgewicht ist also von ganz vielen verschiedenen Einflüssen abhängig.

Das Vestibular-Organ sorgt für die Wahrnehmung des Gleichgewichts. Es besteht aus drei  Bogengängen, die mit der Endolymphe gefüllt sind. Diese Flüssigkeit lässt sich nicht zusammendrücken und bewegt sich mit jeder Kopfbewegung mit. Kleine Härchen in der Flüssigkeit, die wie Algen im Wasser hin und herschwingen, leiten die Bewegungsinformation über den Gleichgewichtsnerv ins Gehirn.

Im Innenohr befindet sich das Gleichgewichtsorgan. Die  Informationen aller Bänder, Gelenke, Muskeln, die Rezeptoren der Haut, die Kontakt mit der Umwelt haben, die Augen, die sich im Raum orientieren . Alle Informationen wertet das Gehirn aus, um in eine ausbalancierte Position zu kommen. Kommt es zu einem Ausfall (einer Fehlinformation) irgendwo in diesem Systemkomplex, entsteht Schwindel.

Damit der Mensch aufrecht stehen kann, ist  das Zusammenspiel von den drei verschiedenen Systemen notwendig: das Sehen, die Tiefensensibilität und das Innenohr

Es gibt somit viele Ursachen und dadurch auch verschiedene Arten von Schwindel. Feststellen können HNO-Ärzte als auch Neurologen den Schwindel, aber nicht jeder HNO-Arzt oder Neurologe ist auf Schwindeltherapie spezialisiert oder weiß, dass es Therapiemöglichkeiten gibt.

Die Vestibuläre Rehabilitationstherapie  VRT ist die einzig evidenzbasierte Therapie bei Schwindel und durch Studien bewiesen.

Leider wird in der Physio-Ausbildung das Thema Schwindel nicht abgedeckt und noch sind in Deutschland die Möglichkeiten der Ausbildung sehr gering. Daher wissen auch viele Ärzte nicht, dass die meisten Formen des Schwindels sehr gut mit Physiotherapie behandelt werden können. Das ist ein Grund, warum viele Patienten  lange an den Symptomen leiden.

Hier finden Sie einen Link zum Klinikum Uni München. Dort gibt es die Möglichkeit sich Informationen als PDF herunterzuladen oder Tests zu machen, sowie sich Therapieunterlagen zu bestellen.

www.klinikum.uni-muenchen.de/Deutsches-Schwindelzentrum-IFB-LMU/de/Patienten/Download/index.html

Es folgen die unterschiedlichen Schwindelformen
Tabelle entnommen aus dem Dtsch Arztebl 2013; 110(29-30)

Peripher-vestibulärer Schwindel:

Im Innenohr kam es zu einer Schädigung/Störung des Gleichgewichtsorgans. (Drehschwindel, Liftschwindel oder das Gefühl zu fallen, horizontaler Nystagmus)

-Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel
-Entzündliche Erkrankungen (Mittelohr)
-Morbus Meniere
-Vaskuläre Schäden
-Neuropathia vestibularis

Zentral-vestibulärer Schwindel:

Im Gehirn wird das was die Gleichgewichtsorgane an Informationen liefern nicht verarbeitet.( Schwankschwindel, Benommenheit)

Nicht-vestibulärer Schwindel:

-Apoplex
-Parkinson
-MS
-Zerebellare Ischämie
-Migräneschwindel

Peripher und Zentral ist alles in Ordnung. (Häufig Sehstörung, Doppelbilder, Ohnmacht)

Psychogener Schwindel:

Seelische, oft auch nicht bewusste Störungen/ Probleme.

Okulärer,sensorischer Schwindel

-schlecht zentrierte Brille
-schielen
-unvollkommenes peripheres Sehen
-Sehfehler

Medikamenten/Drogen/Alkohol 

-Analgetika
-Antihypertensiva
-Antidepressiva
-Aminoglykoside
-Antirheumatika
-Alkohol

Um heraus zu finden um welchen Schwindel es sich handelt müssen wir verschiedene Tests ausführen.

Pronation-Supinations-Test: Patient soll mit beiden Händen möglichst schnelle Unterarmpronations- / -supinations-Bewegungen synchron ausführen, anschließend asynchron, mit offenen und geschlossenen Augen.

Modifizierter Finger-Nase-Versuch: Der Patient berührt zunächst die Nase, dann den Zeigefinger des Untersuchers und wiederholt den Vorgang mehrmals, so schnell es geht.

Okulomotorik: nach rechts sehen, ohne den Kopf zu bewegen, und kurz den Blick halten; das Gleiche in die linke Richtung. Hierbei auf den Rucknystagmus achten
Einem Kugelschreiber folgen, den der Therapeut in einem imaginären Viereck von einer Ecke in die andere bewegt. Die Sakkaden : Sakkaden beschreiben die Fähigkeit der Augen, zwischen zwei Objekten schnell hin und her zu springen.Patient soll mit den Augen schnell zwischen dem Kugelschreiber und der Nase des Therapeuten hin und her springen.

Vestibulo-okulären Reflexes (VOR): Therapeut dreht den Kopf des Patienten nach rechts und nach links; Pat. muss konstant auf die Nase des Therapeuten blicken.

Romberg-Test: Der Patient steht mit engen Füßen, nach vorne gestreckten Armen und geschlossenen Augen aufrecht im Raum. Der Untersucher untersucht Schwankreaktion.